MOBILE STILLE

Bild von Reinhard Dobat
Reinhard Dobat

Neues aus dem Atelier

Stille ist ein rares Gut geworden. Es gibt kaum noch Räume, in denen es keinen Lärm oder Geräusche gib. Das hat zu einer kuriosen Wahrnehmungsverschiebung geführt: Wir merken nicht auf, wenn besondere Geräusche einen Raum füllen, sondern, wenn plötzliche Stille eintritt.
Stille Räume sind heute oft nur in Klöstern, Kirchen, manchmal Bibliotheken oder an besonderen Stellen in der Natur zu finden. Es sind Räume, die durch ihr Ambiente und ihre Einfachheit beruhigend wirken und ein Eintauchen in die Stille ermöglichen:

„In allen Gipfeln ist Ruh  /  in allen Wipfeln spürest du  /  kaum einen Hauch
die Vögelein schweigen im Walde / warte nur balde / ruhest auch du“

(Goethe, Wandrers Nachtlied)

STILLE : Small is Possible?

Im Zusammenhang mit dem Kunst-Projekt „Small is beautiful“ stellt sich die Frage, ob Stille auch im „Kleinen“ gefunden, erlebt, induziert werden kann. Bedarf es zwingend eines abgelegenen, hohen, begehbaren Raumes, der gezielt gesucht werden muss, um Stille zu finden?

Das Werk „Mobile Stille“ ist dazu ein Versuchs-Aufbau:

Es besteht zunächst aus einer geschlossenenTransportkiste von 30x30x30 cm, auf dem ein Meditationssitz festgegurtet ist. Es ist also mobil, kann überall hin mitgenommen werden. Wird der Sitz gelöst und der Deckel abgehoben, wird eine kleinere Kiste sichtbar, in die eine mit Filz isolierte Kiste steckt. Im ihrem Innern Iiegen eine Rettungsdecke und Schallschutz-Kopfhörer. Das Ganze kann zu einem Turm mit vier Boxen aufgebaut werden (Gesamthöhe 85 cm). In der obersten (Filz-) Box leuchtet im Inneren wie hinter einer Tür ein blaues Licht.

Der Betrachter kann sich im Meditationssitz davor niederlassen und sich in eine Folie warm einhüllen. Wenn der schallisolierende Kopfhörer aufgesetzt werden, wird es still. Alle Umweltgeräusche und optischen Reize sind ausgeblendet. Der Blick ist auf den „blauen Raum“ gerichtet. Zu spüren sind die nur rhythmischen Atemgeräusche…